Pocking, im April 2020

Liebe Gemeindeglieder,

mitten in der Corona-Krise möchte ich Ihnen als Ihre Gemeindepfarrerin einen österlichen Gruß zukommen lassen. Seit bald 3 Wochen leben wir im Ausnahmezustand und wir wissen nicht, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden. Die Einschränkungen, die uns alle treffen, sind belastend.
Und so gehen wir mit Sorgen und vielen Fragen auf die sogenannte Karwoche vor Ostern und das Osterfest zu. Jeder von uns hat in diesen Tagen sein eigenes Kreuz zu tragen und viele sind belastet durch Sorgen um Angehörige, der Angst um den Arbeitsplatz, die Zukunft der Familie oder die eigene Gesundheit. Vor uns liegen Gründonnerstag und Karfreitag. Die zwei Tage im Jahr, an denen wir an den Abschied und das Leiden Jesu am Kreuz denken. Tage der Tränen, des Schmerzes und der offenen Fragen. Gott lässt seinen eigenen Sohn einen schweren Leidensweg gehen und erspart ihm auch den Tod am Kreuz nicht. Und so stimmt in diesen Tagen wohl der eine oder andere mit ein in das Gebet Jesu am Kreuz: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.“ (Psalm 22). Viele Menschen finden Kraft in den Worten, die über Jahrtausende zum Trost und Halt für Menschen in Angst und Not geworden sind.
Ein Gebet von Dietrich Bonhoeffer spricht mich in diesen Tagen besonders an: „Herr Jesus Christus, du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich. Du kennst alle Not der Menschen. Du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht, Du vergisst mich nicht und suchst mich.“
Es stellt sich langsam zwar so etwas wie ein Alltag in der Krise ein, aber ein frohes und unbeschwertes Osterfest wird es in diesem Jahr für viele Menschen nicht werden. Und trotzdem wird es Ostern werden, auch wenn wir in diesem Jahr nicht in den Kirchen zusammenkommen können oder in den Familien gemeinsam essen und feiern. Es wird Ostern werden – auch in diesem Jahr! Auf dem Bild zur Ostergeschichte sehen sie das Grab mit dem weggewälzten Stein, aus dem das Licht hervorscheint und uns die österliche Botschaft bringt: „Der HERR ist erstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“ Das leere Grab erzählt vom Sieg des Lebens über den Tod. Gott lässt seinen eigenen Sohn nicht im Tod. Er erweckt ihn zu neuem Leben. Diese österliche Botschaft will uns ermutigen: Vertrauen wir gerade jetzt auf die große Kraft Gottes, die unsere Welt und auch unser Leben schon durch so viele Krisen geführt hat! Er wird unsere Wege besonders in diesen Tagen begleiten.

Wir halten in diesen Wochen unsere Kirche in Pocking tagsüber von 8-18 Uhr für Sie geöffnet. Wenn Sie einen Rückzugsort brauchen oder einfach einen Moment der Ruhe und der Besinnung suchen, dann sind Sie herzlich eingeladen. Sie finden in der Kirche Segensworte, Anregungen zum Gebet und hilfreiche Gedanken zum Mitnehmen. Auch für die österlichen Festtage werden wir aktuelle Andachten und Anregungen bereitlegen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien – auch im Namen des Kirchenvorstandes –
ein gesegnetes Osterfest!
Bleiben Sie behütet und gestärkt durch das, was uns im Glauben miteinander verbindet:

„Jesus lebt, ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht!“ (EG 115, 5)

Ihre Godila Baumann, Pfarrerin