Am ersten Sonntag nach Ostern klingt noch die Kraft der Auferstehung nach. Wir haben alle hingelebt auf die Woche nach den Osterferien, wo – so haben wir´s ganz kindlich naiv gehofft – endlich wieder alles so wird wie vor Corona.
Und jetzt sind wir in unserer österlichen Freude alle ausgebremst worden durch die nüchterne Wahrheit „Wir müssen mit dem Virus leben lernen.“ Von einer neuen Normalität, die wir alle lernen müssen, ist jetzt die Rede.
Für die Jünger Jesu waren die Tage nach der Auferstehung in ganz besonderer Weise eine neue Normalität. Das Leben mit dem Auferstandenen mussten sie damals auch erst lernen – Schritt für Schritt. Die Erzählung von den Emmausjüngern im Lukasevangelium, die traditionell am Ostermontag im Mittelpunkt steht, schildert anschaulich: da sind die Jünger in ihrer Trauer über den Verlust von Jesus so gefangen, dass sie gar nicht sehen können, wer da mit ihnen unterwegs ist. Sie sind mit sich selbst und ihrem Schmerz beschäftigt und können nicht erkennen, wer sich da an ihre Seite gesellt hat, den Weg mit ihnen geht und mit ihnen Gemeinschaft haben möchte.
Erst als Jesus beim gemeinsamen Mahl das Brot bricht, da gehen ihnen die Augen auf.
Wir sind in diesen Tagen gefordert, unsere österliche Freude über das neue Leben mit dem Auferstandenen in ganz neuer Weise in unseren Alltag einzubauen. Wo können wir das Leben feiern, wenn wir uns nicht mit anderen treffen dürfen? Wie können wir unsere in Ostern begründete Hoffnung stärken, da doch keine Gemeinschaft in unseren Kirchen und Gemeinden vor Ort möglich ist?

In den sozialen Medien sind in diesem Jahr besonders viele Bilder vom Frühling zu finden: Blüten verschiedenster Art erzählen davon, dass sich das neue Leben wieder einmal durchgesetzt hat. Und Viele erleben den Frühling gleichsam zum ersten Mal bewußt und sehen ihre Umwelt mit anderen Augen. Eingestaubte Musikinstrumente werden wieder ausgepackt, vernachlässigte Hobbies wiederentdeckt. Die Bewertung, was wirklich wichtig ist, kann und muss überdacht werden in diesen Tagen. Das sind die schönen Blüten, die die neue Normalität mit sich bringt.

Vertrauen wir in diesen ersten österlichen Tagen darauf, dass auch in der neuen Normalität der Auferstandene mitten unter uns ist.

Vertrauen wir darauf, dass er an unsere Seite ist, auch wenn wir es nicht immer spüren können. Versuchen wir, unsere Sinne offen zu halten für Momente, in denen wir unsere österliche Freude mit anderen Menschen teilen können, auch über die erforderlichen Abstände hinweg. Denn auch in diesem Jahr gilt die Botschaft: Fürchtet euch nicht. Der HERR ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Pfarrerin Godila Baumann
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Pocking